Krankheiten alternativ behandeln

Alternative Behandlung mit Akupressur

Hintergrund

AkupressurDie Akupressur (aus dem Lateinischen acus „Nadel“ und premere „drücken“) ist ein Teilgebiet der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)  und gilt als Vorgängerverfahren der Akupunktur, weshalb sie mitunter auch als „Druck-Akupunktur“ bezeichnet wird. Sie arbeitet ähnlich wie die Akupunktur und basiert auf den gleichen Prinzipien doch statt Nadeln werden die Hände bzw die Finger genutzt, um Druck entlang der Meridiane (Energiebahnen, in denen das sogenannte Qi oder die Lebenskraft fließt) ausgeübt, um diese zu stimulieren und krankmachende Stauungen des Qi zu lösen.

Die alten Chinesen haben vor über 5000 Jahren entdeckt, dass wenn man bestimmte Regionen des Körpers berührt, dies zur Linderung von lokalen Schmerzen führen kann aber auch weit entferntere Körperregionen davon profitieren können, wenn man einen bestimmten Punkt am Körper drückt. Mit der Zeit wurde so auch entdeckt, dass Akupressur ebenfalls Einfluss auf die inneren Organe haben kann. Heutzutage sind inzwischen mehrere hundert Akupressurpunkte bekannt, welche mit den Akupunkturpunkten identisch sind.

Akupressur kann eine gute Alternative für Menschen sein, die Angst vor Akupunkturnadeln haben und bringt den Vorteil mit sich, dass sie leicht erlernt werden und somit auch zu Hause zur Selbstanwendung eingesetzt werden kann.

Varianten der Akupressur

Akupressur EllenbogenAlle Varianten der Akupressur basieren auf die gleichen Prinzipien und stimulieren die selben Punkte. Sie variieren lediglich in der Ausführung der Massagetechniken. So nutzen manche Massagemethoden andere Rhythmen, unterschiedlich starken Druck und statt nur die Finger zu verwenden, werden zum Beispiel auch Handballen, Arme, Ellenbogen oder die Füße verwendet, um die Triggerpunkte (tastbar verhärteter Punkte, der auf Druck schmerzempfindlich reagiert) besser zu erreichen.

Einige Varianten der Akupressur sind:

  • Shiatsu: Shiatsu leitet sich von den Wörtern shi, Finger und –atsu, Druck ab. Es bedeutet übersetzt also Fingerdruck und stammt aus Japan. Diese Variante der Akupressur ist etwas energischer und wirkt vitalisierend. Die Akupressurpunkte werden im Shiatsu für drei bis fünf Sekunden lang kräftig gedrückt. Einige andere Shiatsu-Techniken beinhalten die Massage mit dem Daumen, den Füßen, der ganzen Hand, vom Therapeuten unterstützte Dehnübungen, Gelenkmanipulationen und die Mobilisation. Shiatsu ist aus der chinesischen Tuina Anmo hervorgegangen.
  • Jin Shin Do Akupressur: bedeutet übersetzt der Weg des fühlenden Geistes und wurde von der Psychotherapeutin Iona Marsaa Teeguarden entwickelt. Es wird sanfter aber gleichzeitig tiefer Fingerdruck auf die Akupunkturpunkte ausgeübt, für mindestens eine Minute lang. Jin Shin Do ist eine Mischung aus Shiatsu, klassischer Chinesischer Akupunkturtheorie, Qi gong, Taoismus und westlicher Psychologie.
  • Tuina Anmo und traditionelle Thai-Massage: stimulieren ebenfalls das Qi (die Lebenskraft), indem bestimmte Akupressurpunkte mit den Händen, Dehnübungen und andere Massagetechniken angewendet werden.
  • Ayurvedische Akupressur (auch Marma Therapie): verbindet die Prinzipien der ayurvedischen Medizin mit den Prinzipien der Akupressur.

Anmerkung: Wird der Begriff „Akupressur“ alleine verwendet, dann beschreibt dieser meist die Form von Akupressur, die aus der traditionellen Chinesischen Medizin stammt.

Wie Akupressur wirkt

Akupressur wirkt ähnliche wie die Akupunktur: sie lindert oder beugt Krankheiten vor, indem sie den Fluss der Lebensenergie bzw des Qi in den energetischen Leitbahnen, also den Meridianen, gewährleistet.

Akupressur an der HandDurch das Stimulieren der Akupressurpunkte werden „Signale“ an den Körper gesendet, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Aus Sicht der Schulmedizin gilt die Wirksamkeit der Akupressur allerdings noch nicht als erwiesen, daher gehört sie in den Bereich der Erfahrungsmedizin. Das heißt, dass die Wirksamkeit der Akupressur allein durch Beobachtung von Patienten und deren Krankheitsverläufe bestätigt worden ist.

Bei der Massage selbst wird Druck mit den Fingern bzw der Hand oder ein technisches Hilfsmittel (z.B. ein Holzstab) senkrecht auf den Akupressurpunkt bzw das Gewebe gegeben. Je nach Ziel der Therapie kann der ausgeübte Druck leicht oder fester sein. Leichtes und kurzes Drücken tonisiert bzw regt die Muskulatur an. Stärkeres und längeres Drücken hingegen dient der Beruhigung bzw Entspannung. In der Regel wird wenige Sekunden lang bis ungefähr zwei Minuten lang Druck ausgeübt.

Wichtig ist, dass die Akupressurpunkte immer rhythmisch und langsam stimuliert werden, damit das Gewebe und die inneren Organe sich graduell anpassen können. Akupressurpunkte solten niemals mit Gewalt oder in Eile behandelt werden.

Wirkrichtung der Akupressur:

  • Regt die Durchblutung an und unterstützt das Immunsystem
  • Verbessert und steigert das Körperbewusstsein
  • Reguliert den Muskeltonus
  • Lindert Schmerzen und kann muskuläre Verspannungen lösen
  • Harmonisiert den Energiehaushalt (Qi)

Wann Akupressur angewendet werden kann

  • Bei Kopfschmerzen bzw Migräne
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Menstruationsbeschwerden wie PMS (Prämenstruelles Syndrom) und einer unregelmäßigen Periode
  • Bei Stress, Nervosität, Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen und generell zur Unterstützung in belastenden Lebenssituationen
  • Zur Rehabilitation nach einer Krankheit oder einem Unfall
  • Störungen des Immunsystems
  • Bei psychischen Beschwerden wie Depressionen, Angststörungen, Burnout-Syndrom
  • Bei Asthma, Allergien und Hauterkrankungen (begleitend zur ärztlichen Betreuung!)
  • Bei neurologischen Beschwerden
  • Bei Magen-Darm-Berschwerden, Kreislaufbeschwerden
  • Bei Gelenk und Muskelbeschwerden wie zum Beispiel Arthritis, Rheuma, muskuläre Verspannungen, Fibromyalgie, Rückenschmerzen
  • Zu Schönheitszwecken: wird Akupressur im Gesicht angewendet, kann diese das Hautbild verfeinern, da die Durchblutung angeregt wird
  • Bei Zahnschmerzen
  • Bei Stoffwechselerkrankungen
  • Bei ADS/AHDS bei Kindern, bei Lernschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen
  • Schleuder-, Sturz- und Stauchtrauma

Die Akupressurbehandlung

Vor jeder Behandlung (auch dringend vor Selbstbehandlungen) sollte eine Diagnose vom Arzt oder Heilpraktiker gestellt werden.  Pro Akupressursitzung wird ungefähr 15-20 Minuten lang massiert und es werden in der Regeln zwischen fünf und zehn Akupressurpunkte vom Therapeuten vorher ausgesucht (je nach Therapieziel) und anschließend stimuliert.

Die Punkte werde dabei zuerst langsam und kräftig stimuliert, damit sich die Muskulatur entspannt und zum Schluss hin wieder etwas schneller und sanfter, um den Patienten wieder anzuregen und aus der tiefen Entspannung wieder in den Alltag zu entlassen.

Vorbehalte

Akupressur-Behandlungen sind zu unterlassen bei:

  • Bösartigen Geschwülsten, Eitergeschwüren
  • Akuten Infektionskrankheiten, sehr hohem Fieber
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Tumoren
  • Hypertension (Bluthochdruck)
  • Fehlender Festigkeit der Knochen, Gefäße und Haut
  • Blutgerinnungsstörungen, Hämophilie (Bluterkrankheit)
  • Lymphangitis (Entzündung der Lymphbahnen)
  • Blutungen verursachenden Krankheiten, offenen Wunden und schwere Hauterkrankungen
  • Knochenbrüchen, Brandwunden
  • Knochenmarkentzündung
  • Eitrigen Gelenkentzündungen
  • Schweren Herzkrankheiten
  • Außerdem sollten starke Massagen in der Bauch- und Lendengegend bei Schwangeren und während der Menstruation vermieden werden
  • Die Selbstakupressur der Punkte G 21, B 60, MP 6 und Di 4 sollte während einer Schwangerschaft vermieden werden
  • Die Bereiche, wo viele Lymphknoten aufeinander treffen – wie zum Beispiel im Lendenbereich und in der Nähe der Achselhöhlen, direkt neben den Brüsten – sind sehr empfindlich und sollten immer nur vorsichtig behandelt werden
  • Nach eine Akupressursitzung kann es sein, dass die Körperwärme reduziert ist und einem Patienten schneller kalt wird. Weitere Nebenwirkungen können muskelkaterähnliche Symptome, etwas Schwindel oder Benommenheit sein. Diese Symptome sind jedoch harmlos und in der Regel binnen von wenigen Stunden wieder verschwunden.

 



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