Krankheiten alternativ behandeln

Alternative Behandlung mit Balneotherapie

Was ist Balneotherapie?

BalneotherapieDas Wort leitet sich von den zwei Griechischen Wörtern balaneion „Bade- oder Kurort“ und therapeia „Dienst, Pflege, Heilung“ ab. Die Balneotherapie befasst sich also hauptsächlich mit der therapeutischen Nutzung von Bädern aber auch mit Trinkkuren und Inhalationen (Dampfbäder). Der Unterschied zwischen Balneo- und Hydrotherapie liegt darin, dass bei der Hydrotherapie reines Wasser genutzt wird, während in der Balneotherapie das Wasser mit Mineralstoffen und anderen Substanzen wie Kohlensäure, Schlamm, Schwefel, Heilerde etc angereichert werden kann.

Bei dem genutzten Wasser handelt es sich entweder um natürliches oder künstlich gewonnenes Heilwasser, das gelöste Stoffe von mindestens 1g pro kg Wasser enthalten muss, um als Balneotherapie zu gelten. Da hydrotherapeutische Behandlungen auch zur Balneotherapie gehören, kann man von der Balneotherapie als eine Erweiterung der Hydrotherapie sprechen.

Eine in einem Kurort durchgeführte Balneotherapie dauert in der Regel 3 bis 4 Wochen. Sie dient der Wiederherstellung der Gesundheit nach einer Krankheit, kann aber auch bei chronischen Beschwerden und psychischen Belastungen die Genesung unterstützen und beschleneunigen.

Bei den Bädern unterscheidet man Voll-, Sitz- und Teilbäder sowie Inhalationsbäder (Dampfbäder). Es gibt fünf Temperaturstufen: kalt, halbkalt, lauwarm, warm und heiß. Die Maximaltemperatur beträgt 40 Grad Celsius. Am häufigsten werden jedoch warme Bäder eingesetzt. Sie können täglich oder zwei bis dreimal in der Woche vorgenommen werden und die Dauer beträgt meistens nicht länger als 20 Minuten.

Die klassische Balneotherapie besteht aus folgenden Anwendungen:

Kneippbecken

  • Hydrotherapie (Therapie mit Wasser) und medizinischen Bädern wie zum Beispiel Bewegungsbäder, Salzbäder, Kleie-, Malz- , Moor-, Eichenrinde-, und Fichtennadelbäder. Alle medizinische Bäder erfüllen eine unterschiedliche Funktion und werden im unteren Abschnitt „Einsatzgebiete der Balneotherapie“ nochmal separat erläutert.
  • Inhalationen, in Form von Dampfbädern und zur Linderung von Atemwegserkrankungen. Es werden dem Wasser hierfür ätherische Öle wie zum Beispiel Eukalyptusöl zugesetzt, um die Atemwege zu befreien.
  • Kneipp-Kuren (warm und kalt) mit Elementen wie das Wassertreten, Tautreten oder Schneegehen.
  • Heilpeloide (Peloid, z.B. Badetorf, Fango, Gyttja, Sapropel, Heilschlamm und Schlick, welches zu Heilzwecken genutzt wird) und Heilklimafaktoren (klimatische Verhältnisse bestimmter Orte werden zur positiven Beeinflussung von Krankheiten genutzt).
  • Ernährungstherapie/Diätetik
  • Trinkkuren – während der Kur werden 1,5 bis 2,25 Liter Heilwasser zur normalen Trinkmenge aufgenommen.
  • Bewegungstherapie: zum Beispiel Tanzen, Yoga, Qi-Gong, Sturzprophylaxe (Kraft- und Koordinationstraining), Ausdauertraining und andere sanfte Sportarten im Allgemeinen. Die Bewegungstherapie gehört dabei allerdings nicht – wie oft fälschlich angenommen –  zur Physiotherapie, sondern ist eine eigentständige Therapieform. Sie stärkt die Muskulatur, kann Alterungsprozesse verlangsamen und wird von vielen Medizinern als notwendige Ergänzung zur Balneotherapie gesehen, da sie die der Balneotherapie fehlenden Aktivität mitbringt.

Die Wirkung von Balneotherapie

Mineralien im WasserBalneotherapie ist in ihren gesundheitlichen Wirkungen seit vielen Jahren gut erforscht und selbst von der klassischen Schulmedizin anerkannt worden. Die Anwendungen einer balneologischen Kur haben nicht nur einen therapeutisch wertvollen Effekt, sondern wirken sich auch positiv auf das psychische Wohlbefinden aus und können Körper und Seele gleichermaßen aufbauen.

Die Wirkungen im Überblick:

  • Reduzierung von Stress und Unruhe
  • Zur verbesserten Ausscheidung von Stoffwechselendproduktion
  • Linderung oder im Optimalfall sogar Beseitigung von Schmerzen
  • Die Muskeln und Gelenke werden im warmen Wasser entspannt und entlastet
  • Verbesserung des Hautbildes
  • Warmes Wasser wirkt positiv auf das vegetative Nervensystem
  • Der Stoffwechsel und das Immunsystem werden angeregt
  • Allgemein positive Wirkung auf das Wohlbefinden
  • Die Wärme des Wasser bewirkt eine verbesserte periphere Durchblutung, wodurch die Versorgung und Funktion der Organe verbesser werden,das Herz entlastet werden kann und Heilungsprozesse beschleunigt werden können
  • Verbesserung der Gewebeelastizität

Einsatzgebiete der Balneotherapie

Balneotherapie wird fast immer zusammen mit anderen Therapieformen als unterstützende Therapie eingesetzt.

  • Bei Hauterkrankungen wie z.B. Psoriasis und Akne
  • Bei Rheumatoider-Arthritis, Fibromyalgie
  • Bei Sportverletzungen wie z.B. Muskelkater, Zerrungen, Prellungen etc
  • Bei entzündlichen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
  • Bei Arthrosen
  • Zur Rehabilitation (in Kombination mit Bewegungstherapie)
  • Zur Nachbehandlung bei rheumaorthopädischer Operationen
  • Bei psychosomatischen Erkrankungen sowie bei Stressbelastungen, Depressionen und chronischen Angstzuständen
  • Blutdruckstörungen
  • Bei chronische Gicht und chronischen Arthropathien
  • Atemwegserkrankungen
  • Zur Lösung von Verspannungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Übergewicht
  • Störungen des vegetativen Nervensystems
  • Gynäkologische Erkrankungen
  • Zur Anregung des Immunsystems, um Krankheiten vorzubeugen
  • Bei Bewegungseinschränkungen verschiedener Ursachen
  • Bei Durchblutungsstörungen
  • Bei Erkrankungen des endokrinen Systems, der Harnwege und der Nieren
  • Bei chronischen Vergiftungen
  • Bei Verdauungsbeschwerden

Die Einsatzgebiete der einzelnen medizinischen Bäder nochmal im Überblick:

  • Bewegungsbäder: Werden vor allem eingesetzt, da sie eine wohltuende Wirkung auf Muskeln und Gelenke entfalten können. Sie eignen sich besonders zur Rehabilitation nach Operationen oder Unfällen und werden von Physiotherapeuten durchgeführt. Auch Osteoporose, Arthritis und Haltungsschäden profitieren von der Bewegung im Wasser, da so ein sanftes aber effektives Training der Muskulatur möglich wird.
  • Salzbad (Solebad): Das Wasser enhält bis zu zu sechs Prozent an Salzen, welche zum Beispiel Hautkrankheiten, Rheuma, Stoffwechselerkrankungen und gynäkologischen Beschwerden zum Einsatz kommen können.
  • Kleie- und Malzbad: Kleie und Malz schaffen Abhilfe bei Hautkrankheiten, die Juckreiz verursachen.
  • Moorbad: Mit Moorbädern werden Überwärmungsbäder durchgeführt, da Torf die Wärme nur sehr langsam abgibt. Es werden besonders intensive und tiefenwirksame Durchwärmungen möglich, die Rheuma und Arthrose lindern können. Ein Moorbad kann bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen.
  • Fichtennadelbad: Hier kommen ätherische Öle zur Anwendung, die Schlafstörungen und Nervosität behandeln können.
  • Eichenrindebad: Die Eichenrinde enthält Gerbsäure, welche Anbhilfe bei nässenden Hautveränderungen schaffen kann.
  • Kohlensäurebad: Regt den Kreislauf und die Durchblutung an. Entlastet das Herz und lindert Hypertonie (Bluthochdruck).
  • Inhalationsbad (Dampfbäder, bis zu 37 Grad Celsius): Werden bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Es werden dem Wasser ätherische Öle beigement, die die Atemwege befreien sollen.
  • Jodbad: kommt zum Beispiel bei Arteriosklerose, Furunkulose und Schweißdrüsenabzessen zum Einsatz.
  • Schwefelbad: Indikationen für ein Schwefelbad sind Neurodermitis, Ekzeme und Psoriasis (Schuppenpflechte).
  • Sauerstoffbad:  Sauerstoff wird dem Wasser hinzugegeben. Das warme Sprudelbad regt die Durchblutung an.

Sonderformen der Balneotherapie:

  •  Findet die Balneotherapie am Meer statt, kann es auch eine spezielle Form der Balneotherapie zum Einsatz kommen: die Thalasso-Therapie (Griechisch thalassa, Meer). Bei einer Thalasso-Therapie wird mit Meerwasser, Meeresluft, Algen, Schlamm und Sand behandelt.
  • Eine andere Sonderform stellt das Stangerbad dar. Im Stangerbad wirken neben der Wärme auch kleine elektrische Ströme (200 – 600 mA), die die Muskulatur stimulieren sollen und Neuralgien, schmerzhafte Zustände der Wirbelsäule und Rheuma verbessern können.

Vorbehalte

  • Herzkranke, Krebspatienten, Epilleptiker und Patienten mit Arteriosklerose sollten Vollbäder meiden.
  • Schwere Infektionen könnten sich durch balneologische Anwendungen verschlimmern.
  • Bei offenenen Wunden oder Hautpilzerkrankungen sollte auf eine Bäderkur verzichtet werden.
  • Eine Balneotherapie ist nach einem vor kurzem aufgetretenen Herzinfarkt, Schlaganfall oder bei einem Aneurysma nicht angezeigt.
  • Weitere Kontraindikationen sind: akute Infektionskrankheiten mit hohem Fieber, akute Thrombophlebitis, akut entzündliche rheumatische Erkrankungen, Psychosen, Schwangerschaften, Inkontinenz. Zögern Sie im Zweifelsfall bitte nicht vorher mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker zu reden.


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